SCUOL Logo

Nationalparkgesetz

 
Das 1980 erlassene Nationalparkgesetz ist die rechtliche Grundlage des Nationalparks und beschreibt seine Aufgaben.
Diese sind umfassender Naturschutz, Forschung über Veränderungen in Pflanzen- und Tierwelt über lange Zeit und Information im Sinne von aktiver Umweltbildung zur Förderung des Naturverständnisses.
Zernez
 
Kontakt Informationen
Schweizerischer Nationalpark
Ofenpassstrasse
7530 Zernez
Tel. +41 (0) 81 851 41 41
Fax +41 (0) 81 851 41 12
Info@nationalpark.ch
www.nationalpark.ch
 
Weitere Angebote in


 
Der Schutzgedanke:
Die Naturschützer Paul Sarasin, Carl Schröter und der Engadiner Steivan Brunies hielten zu Beginn dieses Jahrhunderts Ausschau nach einem zukünftigen Nationalparkgebiet mit vielfältiger Flora und Fauna und einer sehr geringen Bevölkerungsdichte. Bereits 1909 gelang es ihnen, von der Gemeinde Zernez das wilde Val Cluozza als erstes Nationalparktal zu pachten. 1910 kam das Val Tantermozza hinzu, 1911 Teile des Val Trupchun, Val Müschauns, Val Mingèr und das Val Tavrü. Damit war eine ausreichende räumliche Ausdehnung geschaffen für die Gründung des Nationalparks, welcher am 1. August 1914 als erster Nationalpark der Alpen eröffnet werden konnte. Im Laufe der Jahre kamen weitere Gebiete hinzu, bis zur heutigen Gesamtfläche von 169 km2. Durch die Gründung von Grossreservaten können einmalige Schätze der Natur geschützt und für kommende Generationen erhalten werden. Der Schweizerische Nationalpark umfasst ein besonders eindrückliches Stück alpiner Landschaft mit einer reichen Tier- und Pflanzenwelt. In diesem Lebensraum wird die Natur ihrer uneingeschränkten Entwicklung, ohne menschliche Einflüsse, sich selbst überlassen.
 
Die Huftierforschung:
Seit der Gründung des Schweizerischen Nationalparks gilt den Huftieren in der Forschung ein besonderes Augenmerk. Die Bedeutung der Huftierforschung wurde im Jahresbericht der Eidgenössischen Nationalparkkommission von 1928 festgehalten: "Es wäre wünschenswert, wenn ausser der trockenen Aufzählung des beobachteten Wildes auch über Wahrnehmungen aller Art berichtet würde, so über den Wechsel der Standorte und seine Ursachen, über das Verhältnis der Geschlechter und von Nutz- und Raubwild, über das Verhalten der Tiere gegenüber dem Menschen und vor allem über Beobachtungen aller Art hinsichtlich der Wirkungen des absoluten Schutzes. Das würde für die wissenschaftliche Bearbeitung und Erforschung und wohl auch für die gesetzliche Regelung der Jagd das wertvollste Material liefern." Forschungsprojekte wurden bisher meist aus aktuellen Anlässen ins Leben gerufen. Beim Rothirsch war dies nach den grossen Wintersterben in den 50er Jahren und nach dem Auftreten von Wildschäden am Wald ausserhalb des Nationalparks in den 70er Jahren der Fall. Wie auch beim 1992 gestarteten Steinbockprojekt Albris-SNP sollten die Resultate aus dem Rothirschprojekt als Wildmanagementgrundlage dienen. Die Folgen des absoluten Schutzes auf die Entwicklung der Huftierbestände und ihr Verhalten wurden bisher kaum untersucht. Die Ergebnisse der botanischen und forstlichen Dauerbeobachtungen im Schweizerischen Nationalpark zeigen, dass auch bei der momentan relativ hohen Huftierdichte sowohl die botanische Artenvielfalt als auch die Waldverjüngung gesichert ist. Die aktuelle Huftierforschung will die Entwicklung der Bestände unter Ausschluss menschlicher Einwirkungen untersuchen.

Wozu die Halsbänder?
Vertiefte Forschungsarbeiten in der Huftierforschung werden in den beiden Gebieten Il Fuorn und Val Trupchun durchgeführt. Hier werden von den drei Huftierarten, Steinbock, Gemse und Rothirsch Individuen gefangen und markiert. Vereinzelt werden Tiere zusätzlich mit Halsbandsendern versehen. Durch die Beobachtung der markierten Tiere kann die individuelle Raumnutzung genauer untersucht werden. Nicht alle Tiere bleiben das ganze Jahr über im Gebiet des Nationalparks. In den Sommermonaten suchen alle Huftiere die für sie optimalsten Nahrungsgründe auf. Um den hohen Sommertemperaturen auszuweichen und gute Weidegründe zu finden, ziehen die berggängigen Gämsen auf die höher gelegenen Matten in ihre Sommereinstandsgebiete in den benachbarten Tälern Val Plavna und Sampuoir. Die Rothirsche nutzen die weniger steilen und etwas tiefergelegenen Gebiete des Nationalparks.

Im Winter suchen die Gämsen steile, gegen Süden exponierte Hänge, auf denen der Schnee infolge der Sonneneinstrahlung abgleitet. Hier finden sie unter dem dürren Gras auch ein wenig frische Nahrung und tagsüber Wärme. Diese Verhältnisse sind in ihren Wintereinstandsgebieten im Nationalpark, an den südexponierten Hängen des Piz Il Fuorn zu finden. Die Rothirsche verlassen im Herbst den Nationalpark und ziehen in die Tallagen des Engadins und des Münstertals, wo sie mit möglichst wenig Bewegung versuchen, durch den Winter zu kommen. Die markierten Tiere liefern weiter auch Erkenntnisse zu folgenden Fragen: Wie beeinflussen die Huftiere die Wiederbewaldung der offenen Weideflächen? Wo nehmen sie Nahrung auf? Welche Stellen werden wann als Aufenthaltsorte gewählt? Der Schweizerische Nationalpark soll nach dem Willen des Gesetzgebers Gegenstand dauernder Forschung sein. Die Huftierforschung ist für den Besucher die augenfälligste aller Forschungsarbeiten, denn immer wieder stösst er auf markierte Tiere, was unter Umständen sein Naturempfinden stören kann. Mit den laufenden Forschungsarbeiten an Huftieren in einer ungestörten und von Menschen nicht bewirtschafteten Umwelt können Erkenntnisse gewonnen werden, die an anderen Orten den Schutz von Tier und dessen Lebensraum unterstützen können.

Information:
Nationalparks sind Musterbeispiele eines umfassenden Naturschutzes. Aber auch der Information der Besucherinnen und Besucher kommt grosse Bedeutung zu. Die Informationsarbeit des SNP umfasst Angebote für alle Altersklassen und kann allen Naturliebhabern die Besonderheiten dieses alpinen Schutzgebiets aufzeigen. Informationen über den Schweizerischen Nationalpark erhalten Sie im Nationalparkhaus in Zernez (geöffnet vom 1. Juni bis 31. Oktober). Dieses Zentrum beinhaltet eine Dauerausstellung, einen begehbaren Murmeltierbau, Videovorführungen, ein digitales Besucher-Informationssystem, eine breite Produktepalette und einen betreuten Auskunftsschalter. Eine weitere Ausstellung des SNP befindet sich in S-charl auf Gemeindegebiet von Scuol. Im dortigen Museum Schmelzra unterhält der SNP die grösste permanente Ausstellung über den Braunbären in der Schweiz. Die Ausstellung ist erlebnisorientiert und besonders auch für Kinder geeignet (geöffnet von Mitte Juni bis Mitte Oktober). Die farbige Nationalparkzeitschrift "Cratschla" informiert zweimal jährlich über die aktuellsten Entwicklungen im Nationalpark, gibt Wandertipps, Hintergründe, Blicke hinter die Kulissen und das alles mit zahlreichen Fotos und Illustrationen. Gratis-Probenummer oder Abonnement für Fr. 24.00 bei folgender Adresse:

Schweizerischer Nationalpark
7530 Zernez
Tel. +41 (0)81 856 12 82
Fax +41 (0)81 856 17 40
www.nationalpark.ch